Was ist Marcumar?

Marcumar ist ein Medikament, dass das Blut umgangssprachlich "verdünnt". Dabei kommt es allerdings zu keiner tatsächlichen Verdünnung. Die Fließeigenschaften des Blutes werden im Wesentlichen nicht verändert. Marcumar ändert die Gerinnungseigenschaften des Blutes.

Wie wirkt Marcumar?

Marcumar ist ein Gegenspieler des Vitamins K. Vitamin K ist zur Herstellung etlicher Gerinnungsfaktoren notwendig. Die Gerinnungsfaktoren werden in der Leber hergestellt.

Fehlt dem Körper Vitamin K, werden Gerinnungsfaktoren in geringer Menge hergestellt. Das Blut kann nicht so schnell gerinnen. Wenn man sich verletzt, blutet man länger.

Wie wir es einsetzen

Bei allen Erkrankungen, bei denen eine Blutgerinnungshemmung gewünscht wird. In unserer Praxis stehen zwei Anwendungen im Vordergrund:

  1. Bestimmte Arten von Herz-Rhythmusstörungen führen zu einem erhöhten Schlaganfall-Risiko. Denn hier kann sich im Herzen ein Blutgerinnsel bilden. Dieses kann sich aus dem Herzen lösen und eine Schlagader des Gehirns verstopfen. In diesem Fall kann Marcumar Schlaganfälle verhindern, indem die Gerinnungseigenschaften des Blutes verändert werden.
  2. Eine krankhafte Neigung zur Blutgerinnsel-Bildung in den Venen der Beine (Thrombose) führt zu einem erhöhten Risiko von Lungenembolien. Hierbei löst sich das Blutgerinnsel aus den Beinarterien und verstopft die Lungenarterien. Das ist ein sehr schweres Krankheitsbild, das auch zum Tode führen kann. Auch hier kann Marcumar solche Verläufe verhindern.

Wie wird es kontrolliert?

Marcumar wirkt bei jedem Menschen unterschiedlich. Und der therapeutische Bereich ist begrenzt.

Nimmt man nicht genug Marcumar, zeigt es keine ausreichende Wirkung und man ist vor Thrombosen, Lungenembolien oder Schlaganfällen nicht ausreichend geschützt.

Nimmt man zu viel Marcumar, steigt das Risiko von Blutungen, im schlimmsten Fall der inneren Blutungen.

Der therapeutische Bereich ist der Bereich, in dem der Schutz ausreichend, das Risiko aber gering ist. Damit die Marcumartherapie im therapeutischen Bereich liegt, müssen wir regelmäßig die Blutgerinnung kontrollieren und die Dosis individuell anpassen.

Früher haben wir bei Ihnen Blutröhrchen aus der Vene abgenommen und diese ins Labor geschickt. Heute steht uns ein Messgerät zur Verfügung, mit dem wir die Blutgerinnung direkt in der Praxis bestimmen können. Es ist nur noch ein Tröpfchen Blut erforderlich, das wir aus dem Finger abnehmen können.

Die Vorteile für Sie:

  1. Es entfällt die Blutabnahme durch die Vene.
  2. Wir haben den Verdünnungswert nach wenigen Sekunden bestimmt.
  3. Sie erfahren sofort, wie sie das Marcumar weiternehmen sollen.

Dabei wird vom Labor aber auch durch uns immer der Quick-Wert bestimmt. Die Angabe des "Quicks" ist aber problematisch, da er sich nicht vergleichen läßt. Denn es gibt verschiedene Methoden um den Quick-Wert zu ermitteln.

Wenn man das Blut eines Patienten - zur selben Zeit abgenommen - in unterschiedliche Labore schickt, kann es sein, dass in Labor A ein Quick von z.B. 25%, in Labor B ein Quick von z.B. 35% ermittelt wird. Dies liegt an den unterschiedlichen Methoden, die verwendet werden. Dies birgt natürlich erhebliche Unsicherheiten für den Marcumar-Patienten, da Quick nicht gleich Quick ist.

Aber: Die Methoden zur Quick-Bestimmung in sich sind sehr genau! Das heißt Labor A wird bei gleicher Blutgerinnung immer auf das Ergebnis 25% kommen, Labor B immer auf das Ergebnis 35%. Das Problem ist: beide Werte lassen sich so nicht miteinander vergleichen.

Daher hat man die INR (International Normalized Ratio) als internationalen Standard eingeführt. Hiermit kann man die Quick-Werte unterschiedlicher Labore vergleichen. Die INR erhält man durch eine Rechenoperation aus dem Quick-Wert. Dabei wird der Quick-Wert mit einem Laborstandardwert umgerechnet, der für jedes Labor speziell ermittelt wird. Anhand der INR kann man weltweit die Gerinnung vergleichen.

War in unserer Praxis aus "Tradition" eher von Quick als von INR die Rede, so möchten wir jetzt aus oben genannten Gründen die INR stärker in den Vordergrund rücken.

Dies wird sicherlich der Gewöhnung bedürfen.

Der Quick liegt bei einer normalen Gerinnung im Bereich um die 100% und bei einer Verdünnung mit Marcumar um die 25%.

Je niedriger also der Quick, desto stärker die Verdünnung.

Bei der INR ist dies genau umgekehrt. Hier liegt der Werte bei einer normalen Gerinnung um 1,0, der Werte für eine gute Verdünnung z.B. bei 3,0.

Je höher also die INR, desto stärker die Verdünnung.

Damit bei der Umstellung keine Probleme auftreten, legen wir für Sie den entprechenden INR-Bereich fest und besprechen gerne alle Fragen.